Bericht Istha-Gosthi am 27.02.2010

Protokoll über die Lagebesprechung am 27.02.2010 auf Goloka-dhama im Tempelraum, Beginn: 10 Uhr

Ca. 30 Angehörige von Goloka dhama haben sich im Tempelraum eingefunden, darunter auch HH Sacinandana Swami und später auch HG Dina Sharana Mataji. Von 10 – 11 Uhr werden Bhajans für Shri Shri Radha-Madana-Mohana dargebbracht.

Um 11 Uhr eröffnet HG Bhagavatdharma prabhu, der Tempelpräsident, die Lagebe­sprechung. Er weist u.a. darauf hin, wie viel Liebe und Hingabe für die Etablierung des Projekts bereits investiert wurden, auch von Devotees, die gar nicht mehr an­wesend sind. Man sollte nicht aus einer Laune heraus einfach aufgeben sondern die Bemühungen der Vaishnavas wertschätzen und darauf aufbauen.

Auf Nachfrage erklärt Bhagavatdharma, dass ein Spendenaufruf im Vorfeld bereits 2000 € erbracht hat, um die laufenden Rechnungen zahlen zu können. Es geht jetzt also gar nicht vorrangig um finanzielle Mittel sondern um das Verhältnis unter den Devotees und die Zusammenarbeit. Einige Devotees bestätigen, dass das Klima zwischen den Devotees verbesserungsbedürftig ist. Das ist sogar wichtiger als die sorgfältigste Ausführung von Tätigkeiten. Als Beispiel wird die Brunnenplanung an­geführt: Man hat sorgfältige Vorbereitungen getroffen und entgegen einer fach­männischen Prognose wurde doch kein Wasser gefunden. Es geht somit nicht vor­rangig um Perfektionismus sondern um die Beziehungen unter den Devotees.

Dina Sharana Mataji rät den Devotees, sich daran zu erinnern, warum sie sich der Hare-Krishna-Bewegung angeschlossen haben. Jeder müsse sich fragen, wo er/sie individuell steht und wie man effektiv zur Lösung beitragen kann.

Mitravinda Mataji führt aus, dass viele Devotees, die sich aufgrund von Missver­ständ­nissen distanziert haben, sich schwer tun, den ersten Schritt zu tun, um wieder zu kommen. Man sollte als aktiver Teilnehmer also den ersten Schritt tun und auf die anderen zugehen. Mitravinda erläutert ihr Vorhaben, eine Mataji-Gruppe zu etablie­ren, damit Schwierigkeiten untereinander auf Anhieb gelöst werden können. Ein wesentlicher Punkt, so Mitravinda Mataji weiter, sei, dass die Bildgestalten zufrie­den gestellt werden müssen. Sie erzählt, dass selbst in Shridham Mayapur es erst zu einer Verbesserung der Situation gekommen ist als die Opferungen opulenter gestaltet worden sind.

Bhagavatdharma erklärt, dass es auf Goloka dhama gar nie in Frage gekommen ist, den Standard zu senken und dass die Puja-Spenden selbstverständlich zweckent­sprechend eingesetzt werden.

Ananga Manjari Mataji äußert Bedenken gegenüber der winterlichen Blumenopulenz. Die künstlich gezüchteten Blumen seien im Winter voller Gift.

Nitya-siddha Mataji fragt sich, was aus den männlichen Devotees geworden sind. Sie fühlt sich manchmal wie in einem Frauen-Kloster und bittet die Männer, doch min­destens einmal in der Woche zum Tempel zu kommen.

Bhagavatdharma erläutert, dass jeder herzlich willkommen ist, prasadam zu nehmen und den Tempel zu besuchen. Auch habe nun mal jeder Gast oder Bewohner von Goloka dhama seine eigene Stimmung.

Sumitra Mataji regt an, die Devotees sollten einmal probieren, stetig einen Monat lang zur Mangala-Aratika zu kommen. Man werde dann sehen, wie sich die Atmos­phäre verbessere.

Sacinandana Swami bestätigt, dass es schon immer um Beziehungen gegangen ist und ermutigt Mitravinda Mataji in ihrem Vorhaben, eine Mataji-Gruppe zu formieren. Es sollten sogar noch mehrere Foren gegründet werden, denn in einer großen Ver­sammlung ließen sich erfahrungsgemäß die Beziehungen nicht im einzelnen ent­wickeln. Sacinandana Swami erläutert, dass es bei Projekten grundsätzlich vier Stufen gibt, nämlich

1. Stufe: großer Enthusiasmus, der sich in einer Pseudoharmonie wiederspiegele

2. Stufe: Man findet Fehler im System und bei den Teilnehmern und möchte diese schnell bewältigen

3. Stufe: Man erkennt, dass manche Schwächen nur sehr schwer zu überwinden sind (z. B. insbes. hinsichtlich von Beziehungen). Es kommt zu Er-

scheinungen der Hilflosigkeit.

4. Stufe: Echte Spiritualität: Man ist nicht so sehr gestört durch Beziehungs­schwierigkeiten, denn diese sind nun einmal Teil des Lebens.

Auf der dritten Stufe, das ist die Stufe, wo die Goloka-dhamis sich zur Zeit befinden, muss man Zuflucht bei Shri Krishna suchen. Immer, wenn man keinen Ausweg mehr sieht, kann nur noch die Hilfe von oben zu etwas führen. Shri Krishna hilft uns dann und zeigt uns, was wir in unserer individuellen Situation tun können. Es ist ganz nor­mal, wenn man feststellt, dass eben nicht alles so rund läuft, wie man sich das in sei­nem jugendlichen Leichtsinn gedacht hat. Sacinandana Swami fragt sich selbst, was er tun kann und übergibt Bhagavatdharma ein Kuvert mit einer Spende von 1000 €. Er erläutert auch sein Projekt der Ausarbeitung einer vedischen Lebensschule, mit dem er sich an die Außenwelt richten wolle. Im Herbst 2010 sei er voraussichtlich da­mit fertig und wolle dann Seminare geben, auch auf Goloka dhama. Sacinandana Swami ergänzt, dass man in der Phase 3 insbesondere nicht mit Fingern auf andere zeigen solle. Bhagavatdharma prabhu solle unterstützt werden, weil er sich eben nun in dieser schwierigen Situation zur Verfügung gestellt habe.

Dina Sharana Mataji bedankt sich bei Sacinandana Swami für seine Hilfe. Sie em­pfiehlt eine Vorgehensweise Schritt für Schritt. Fortschritt erfolge also in Stufen. Sie ruft die Devotees auf, sich eine Liste von Personen zu machen, mit denen man ver­besserte Beziehungen aufbauen könne.

Bhagavatdharma prabhu ergänzt, dass es gut wäre, wieder – wie früher – ein Festivalkommittee zu haben und er würde sich über Devotees freuen, die feste Aufgaben im Management übernehmen würden, z. B. in der Buchhaltung.

Manidhara prabhu erklärt, dass Goloka dhama einladend für Haushälter ist. Er fragt sich, warum noch Wohnungen auf Goloka dhama frei sind und die Familien sich statt dessen so weit außen herum angesiedelt haben. Er erläutert, dass es ein Tempel­präsident heutzutage mit einer vielfältigeren Beziehungsstruktur zu tun habe als in den Anfangsjahren der ISKCON, als man bis ins Detail hinein vom führenden sannyasi oder guru geleitet worden sei. Jetzt müssen wir auf eigenen Füßen zu stehen lernen und haben alle unsere eigene Aufgaben zu lösen. Im übrigen hätten die meisten der älteren Gottgeweihten vieles durchgemacht, und das müsse berück­sichtigt werde. Er stimmt Dina Sharana Mataji darin zu, dass nicht jeder ständig emotional zufrieden gestellt werden kann; Nüchternheit sei diesbezüglich eine gute Eigenschaft. Was weiter helfen könnte, wäre, dass Goloka dhama mehr Anschluss an die anderen Aktivitäten im deutschen yatra sucht. Man könne das Gefühl haben, dass sich die Devotees hier mit ihrer isolierten Lage abgefunden haben. Manidhara erklärt, dass er die Devotees individuell kontaktiere und sie in ihrem Überlebenskampf zumindest psychologisch unterstützen wolle. In der sehr angespannten Situation sollten die Devotees nicht um Spenden gefragt werden, da jeder momentan um jeden Euro kämpfe. Solche Treffen wie heute hält Manidhara für sehr wichtig. Manidhara selbst unterstützt gerne die Sankirtan-Aktivi­täten auf Goloka dhama, indem er jede Woche für die Gruppe zur Verfügung stehe, bestehend zur Zeit aus Krishna-karuna Mataji, Sumitra Mataji, Bhakta Michael und eben Manidhara prabhu. Er rät, sich um weitere Bhaktas zu bemühen, die wieder viel Leben in den Tempel bringen würden. Er bedankt sich besonders bei Bhagavatdharma prabhu, der materiell selbstlos den Tempel leite und das noch neben seiner vollen Berufstätigkeit. So etwas finde man in ISKCON heutzutage sehr selten. Dafür solle man sehr dankbar sein. Dankbarkeit sei ohnehin eine der wichtig­sten förderlichen Eigenschaften. Das bestätigt auch Rasamurti Mataji, die sehr dank­bar dafür ist, dass es den Tempel gibt und sich individuell einbringen zu können. Perfekte Beziehungen seien nicht zu er­war­­ten. Die spirituelle Ebene sei gefragt.

Krishna Karuna Mataji möchte gerne demnächst eine Harinama-Gruppe initiieren. Wenn man Shrila Prabhupada folge, sei man auf der sicheren Seite.

Adisesa prabhu gibt zu bedenken, dass nicht alle Devotees die große Gemeinschaft suchten und mehr meditativ tätig seien. Im übrigen seien viele jetzt vorrangig mit ihrem Familienleben beschäftigt. Das Projekt müsse jedoch schon aus Dank für die großen Bemühungen der Devotees fortgeführt werden.

Bhagavatdharma prabhu gibt bekannt, dass noch zwei Wohnungen auf Goloka dhama zu vermieten seien, nachdem sich auch Nityasiddha Mataji gefragt hat, warum die Haushälter so weit außerhalb wohnten.

Ramagopala prabhu bietet einen workshop an, den er abends abhalten möchte, für diejenigen, die authentischer in ihren Beziehungen werden möchten.

Bhagavatdharma prabhu informiert darüber, dass mancher Devotee das Projekt zu groß für die heutige Zeit hält. Manidhara prabhu erwidert, dass die meisten Pro­jekte aus der Vergangenheit im Übereifer zu groß ausgelegt worden sind. Jedoch sei das Tempelgebäude auf keinen Fall zu umfangreich und könne in Verbindung auch mit den anderen Gebäuden gut genutzt werden. Bhagavatdharma prabhu sagt, dass man nun mal das Projekt nicht immer der Nutzung anpassen könne. Manchmal sei eben viel los und manchmal weniger.

Shyamnama Mataji weist darauf hin, dass die Zufriedenstellung von Shrimati Radharani der Schlüssel des Erfolges sei. Als Sacinandana Swami das Spendenkuvert an Bhagavatdharma prabhu überreicht hat, ist der Ohrring von Radharani in Shri Krishnas Gewand gefallen. Das wurde von Mahacandra prabhu während der Raja-bhoga-Opferung beobachtet.

Zum Schluss leitet Vaishnava prabhu einen Konfliktlösungsworkshop nach einem alten Hawaiianischen Konzept. Es gilt hier die Einsicht, dass die Probleme des Einzelnen die Probleme der Gemeinschaft sind. Wenn man sich ausspricht und das Problem abgibt, wird es im Laufe der Zeit gelöst. Ansonsten leben wir einfach nur in unserer eigenen Box unter den Bedingungen der drei Erscheinungsweisen. In dieser Runde wird diesmal der Mangel an Neuzugängen angegangen. Die Devotees erklä­ren, wie sie zu diesem Problem beitragen und entschuldigen sich dafür, und wir hoffen natürlich, dass Shri Krishna uns hilft, hier eine Verbesserung zu erzielen.

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