Die Altargestalten – Geschichte

Sri Sri Radha Madana-mohana

Sri Sri Radha Madana-mohana

Die Altargestalten aus dem Tempel in Goloka Dhama

Ihre Geschichte und Ihre Bedeutung

Gäste, die den Radha-Krishna-Tempel in Abentheuer besuchen, fragen des öfteren interessiert nach der Herkunft und der Bedeutung des Namens der dortigen Altargestalten Shri Shri Radha Madhana-mohana.
Hier wird ein Versuch unternommen, die wichtigsten Punkte herauszustellen.

Sri Krishna auf dem Altar

Sri Krishna auf dem Altar

1. Die Herkunft und Geschichte der Altargestalten

Als Shrila Prabhupada 1965 das Krishna-Bewußtsein im Auftrag seines spirituellen Meisters in die westliche Welt, d.h. zunächst USA, brachte, hatte er keine Wohnung, keinen Tempel, kein Geld, nur den festen Willen, dem Auftrag seines spirituellen Meisters zu folgen. Von Amerika sandte er zunächst Schüler nach Europa, nach England und nach Deutschland, um Shri Caitanyas Botschaft: die heiligen Namen Gottes in der ganzen Welt zu verbreiten, auszuführen. Die erste deutsche Stadt, in der Krsna-Bewußtsein gepredigt wurde, war Berlin im Jahre 1968. Es schien aber erfolgversprechender zu sein, in Westdeutschland zu starten und zwar in Hamburg. Drei junge Devotees kamen aus Amerika und hatten eine bescheidene Unterkunft in einem Laden am Eppendorfer Weg in Hamburg gefunden. Sie waren überglücklich, als Shrila Prabhupada seinen Besuch vom 25.8 – 11.9. 1969 ankündigte. Da das Quartier der Devotees – eine Ladenfront – sehr klein war, wurde er gegenüber in einem Hochhaus-Appartement untergebracht. Was ist eine Religion, ohne bildhafte Darstellungen von Gott! Shrila Prabhupada brachte seine kleinen Radha-Krishna-Deities, die er auf Reisen bei sich trug, mit. Angesichts der sehr ärmlichen Behausung der Devotees gab er ihnen den Auftrag, eine bessere Wohnung zu suchen und Deities aus Indien zu beschaffen. In der Bartelsstraße fand man ein altes Warenhaus, das hergerichtet wurde und Deities aus Indien waren auch eingetroffen. Nachdem die Beatles mit der Single “Hare Krishna Mantra” den 3. Platz in der Hitparade in Deutschland errungen hatten, schickte Shrila Prabhupada Tamal Krishna Goswami nach Hamburg, um die kleinen aus Indien mitgebrachten Radha Krishna Deities, oder Chota-deities einzuweihen. Am 23.11.1969 wurde die Zeremonie vollzogen, während der die Anwesenden Shrila Prabhupadas Gegenwart spürten. Sie hatten fernerhin das Gefühl von Sicherheit und Schutz durch die Gegenwart des göttlichen Paares. Man hatte fünf sogenannte outfits, oder Bekleidungen und Schmuck zum Wechseln.
Im Mai 1972 wurde in Heidelberg ein Tempel eröffnet, wohin ein Teil der Hamburger, Düsseldorfer und Frankfurter Devotees zog, weil Heidelberg als bedeutende Universitätsstadt sehr gute Predigerchancen bot.

Srimati Radharani auf dem Altar in Goloka dhama

Srimati Radharani auf dem Altar in Goloka dhama

Es wurde bekannt, dass Shrila Prabhupada am 20.7.1972 nach Paris, aber danach nicht nach Deutschland käme. Deshalb fuhren die deutschen Devotees nach Paris. Shrila Prabhupada hatte mittelgroße Marmordeities mitgebracht, die Hamsaduta mit nach Deutschland nahm. Auf diese Weise kamen Shri Shri Radha Madana-mohana – so beginnt also die Geschichte – nach Deutschland, wo sie drei Jahre lang in ihrem indischen Schrankkoffer aus Metall lagen. Immer, wenn Hamsaduta darum bat, die Deities aufstellen und installieren zu dürfen, z. B. 1973 in Heidelberg, war Shrila Prabhupada noch nicht einverstanden. Als die Devotees Schloß Rettershof bei Frankfurt, dem Shrila Prabhupada 1974 einen Besuch abstattete, mieteten, wollte Hamsaduta die Installation selbst in die Hand nehmen. Am 11. Mai 1975 führte er sie in einfachem Stil durch und gab den Deities Ihre Namen: Shri Shri Radha Madana-mohana. Auf dem Altar befanden sich auch die schon 1972 in Hamburg installierten Chota-Deities. Die Altargestalten Shri Shri Radha Madana mohana waren im Vergleich zu den in anderen europäischen Tempeln aufgestellten Altargestalten ziemlich klein, nur 15 inches, d.s. 38,10cm groß.
Schloß Rettershof verlor an Bedeutung und wurde 1980 aufgegeben. Die Deities wurden nach Jandelsbrunn im Bayrischen Wald zur Nrsimhadev-Farm gebracht. Dort wurden sie von pujaris verehrt, zusammen mit Shri Nrsimhadeva, aber auf einem eigenen Altar.

Bis 1997 weilten Shri Shri Radha Madana mohana auf der Farm Nara Jyada Nrsimha Ksetra. Dann zogen sie wieder um und diesmal nach Abentheuer in den Tempel Goloka Dham und wurden dort am 3.August 1997 feierlich und standardgemäß installiert, mit einer immer im Gedächtnis bleibenden einmaligen Abisheka oder Badezeremonie.

2. Die Bedeutung der Namen
a) allgemein:
Die ersten beiden Bezeichnungen Shri Shri sind eine höfliche Anredeform, wie Herr, Herrin, Lord. Radha ist der Name von Krishnas Freudenenergie, die sich in der weiblichen Gestalt von Shrimati Radharani manifestiert. Und nun kommen wir zu dem wundervollen Namen Krishnas: Madana bedeutet entzückend, berückend, und ist der Name Cupids oder des Liebesgottes, aus der antiken Tradition auch als Eros oder Amor bekannt, der mit seinen Pfeilen die Herzen der Menschen lustvoll in der materiellen Welt erglühen lässt. Mohana heißt auch verwirrend, den Geist bezaubernd, betörend, und ist nun derjenige, dessen betörender Charme selbst diesen so allmächtig erscheinenden Liebesgott bezwingt. Es ist einer der vielen Namen Krishnas. Der Liebesgott bezaubert jeden, und Krishna bezaubert den Liebesgott mit seiner unvergleichlichen Schönheit. Obwohl Krishna so schön ist, dass er den Liebesgott bezwingt, wird Er von Shrimati Radharani verzaubert, die deshalb auch den Namen Madana-mohana-mohini hat.

Altar Radha-Krishna in Goloka dhama

b) in der indischen Philosophie
Neben der wörtlichen Bedeutung kommt diesen Deities noch eine andere zu. Wenn man eine Beziehung zu Krishna herstellt, gibt es auf diesem Weg drei Stufen, die man sambandha, abhideya und prayojana nennt, oder das Wissen über Krishna, die Schöpfung, den Menschen, zweitens den hingebungsvollen Dienst zu Gott und drittens das Ziel, Liebe zu Krishna. Bei der Verehrung von Shri Madana Mohana wird die erste Ebene geschaffen, von der aus man die vergessene Beziehung zur Höchsten Persönlichkeit Gottes wiederherstellen kann, die man sambandha nennt. Was die Welt bedeutet, was es bedeutet, ein Lebewesen zu sein, was Gott ist, und wie alles miteinander verbunden ist, ist sambandha, eine statische Stufe, wohingegen die zweite Stufe dynamisch ist. Zu Beginn des spirituellen Lebens ist es deshalb unerlässlich, die Bildgestalt Shri Madana Mohana zu verehren, damit Er uns anzieht und die Anziehung an materielle Sinnenbefriedigung, nicht nur an das, was man normalerweise unter Lust versteht, sondern alle Anhänglichkeit an materielle Dinge, auslöscht. Der spirituelle Meister ist eine Manifestation von Shri Madana mohana, da er den Samen des hingebungsvollen Dienstes pflanzt, da er sambandha in Form der Einweihung in den heiligen Namen oder diksa verleiht, der die Bildgestalt Shri Madana mohana vorsteht. Damit man überhaupt zu Krishna kommen kann, muß man vom glühenden Pfeil Shri Madana mohanas getroffen werden, der die Verlockungen dieser Welt zerstört, dafür aber die weit größere Anziehung und das weit größere Glück des endlich wiedergefundenen göttlichen Ausgangspunktes und Zieles gibt.
Noch ein Hinweis sei hier erlaubt. Brahmanen erhalten bei der zweiten Einweihung die Erlaubnis, Gayatri-Mantren zu chanten. Darunter heißt einer: Kama-Gayatri, der vom materiellen Liebesgott befreien soll, der zwar zunächst Vergnügen bereitet, aber im nächsten Augenblick die Menschen einlullt und ganz auf die materielle Ebene herunterzieht. Der ewige Liebesgott weckt immer auf, und die transzendentale Freude wächst unaufhörlich. Der Kama-Gayatri ist mit dem Dienst zu Shri Madana mohana verbunden. Er beginnt mit dem Wort KLIM, dessen symbolische Bedeutung von Shri Vishvanatha Cakravarti folgendermaßen gedeutet wird:
K bedeutet Krishna, die höchste männliche Persönlichkeit, die Ewigkeit, Wissen und Glückseligkeit besitzt.
I symbolisiert die höchste weibliche Persönlichkeit, oder die majestätische Prinzessin von Vrindavan.
L steht für die Glückseligkeit, die von Radharanis und Krishnas gegenseitiger ekstatischer Liebe ausgeht in der Form reiner, beseligender Freude.
Der Buchstabe M ist der Ausdruck der ekstatischen Süße bei ihrem beseligenden Kuß.

3. Shri Shri Radha Madana-mohana in Indien

In Vrindavan, dem Ort, an dem Krishna vor 5000 Jahren auf der Erde erschien, gibt es unter den vielen Tempeln drei besonders wichtige: den Madana-mohana Tempel, den Govindaji Tempel und den Radha- Gopinath Tempel. Diese drei Tempel wurden aus einem bestimmten Grund erwähnt. Es heißt, dass Vajranabha, der Urenkel Krishnas, zunächst drei Deities von Krishna herstellen ließ. Da er selbst Krishna nie gesehen hatte, hat er sie gemäß den Beschreibungen, die ihm seine Verwandten gaben, schnitzen lassen. Keine Bildgestalt war vollkommen, jede spiegelte einen Teil von Krishnas Körper wider und zwar Govindaji das Gesicht, Madana Mohana den Teil vom Nabel bis hinunter zu den Lotosfüßen und Gopinatha glich dem Körper vom Hals bis zum Nabel.
Diese drei Deities sind zuständig für die oben erwähnten Vorgänge von sambandha (Madana Mohana), abhidheya (hingebungsvoller Dienst) und prayojana (Vollkommenheit im hingebungsvollen Dienst). Hier soll nur näher auf Radha Madana-mohana eingegangen werden.
Was aus dieser Bildgestalt im Laufe der etwa 4500 Jahre geworden ist, ist nicht klar. Aber die Geschichte des heutigen Tempels ist bekannt. Im 16. Jahrhundert entdeckte Advaita Acarya an dem Ort, an dem er seinen Bhajan durchführte, heute als Advaita Vata bekannt, die, wie es heißt, ursprüngliche Bildgestalt von Madana Mohana. Als er nach Bengalen ging, vertraute er die Verehrung seinem Schüler Purushottama Chaube, an, der mit der Bildgestalt wie mit einem seiner eigenen Kinder umging. Als Rupa und Sanatana Goswami nach vielen Jahren wieder nach Mathura kamen und dann auch den Brahmanen besuchten, erschraken sie, als sie sahen, dass die Kinder mit der Bildgestalt spielten. Sie gaben dem Brahmanen strenge Regeln, nach denen er die Bildgestalt verehren sollte.
In jener Nacht hatte Sanatana einen Traum. Madana-mohana erzählte ihm, dass er im Haus des Brahmanen sehr glücklich war, weil die Kinder mit ihm spielten. Seitdem der Brahmana so viele Regeln eingeführt hätte, sei er gar nicht mehr so zufrieden. Auch der Brahmana hatte in derselben Nacht einen Traum, in dem Madana-mohana ihm erschien und ihm sagte, er solle die Bildgestalt Sanatana geben, da dieser im Gegensatz zu ihm keine Kinder hätte.
Am nächsten Morgen eilte Sanatana Goswami zu dem Haus des Brahmanen und wollte sich entschuldigen, aber der Brahmane bat ihn, Madana-mohana mitzunehmen. Sanatana wollte dies zunächst nicht tun, weil er zu arm war, um für Madana-mohana schöne Mahlzeiten zuzubereiten. Er selbst aß nur trockene chapatis. Er hatte aber in der Nacht wieder einen Traum, in dem Madana-mohan ihm sagte, dass er alles annehmen werde, was er ihm anbieten würde.
Sanatana Goswami brachte Madana-mohana nach Vrindavan an die Stelle, wo er seine Bhajans auf dem Hügel Dvadasaditya ausführte und stellte die Bildgestalt in einen Baum daneben. Er opferte regelmäßig trockene chapatis, bis eines Tages Madana-mohana um etwas Salz bat. Sanatana antwortete, dass er jetzt Salz verlange und morgen vielleicht sweets, und dass er ein alter Mann sei und Bücher schreiben müsse, und er möge doch den trockenen chapati akzeptieren.
Am gleichen Tag fuhr ein reicher Kaufmann mit drei mit Salz beladenen Schiffen die Yamuna hinunter, um die Ware in Agra zu verkaufen. Die Boote blieben aber auf einer Sandback stecken. Voller Angst lief der Kaufmann am Ufer hoch, wo er einem schönen Hirtenjungen – man sagt, es war Madana-mohana in Verkleidung – begegnete, der ihm riet, Sanatana Goswami aufzusuchen. Der Heilige gab ihm den Rat, zu Madana-mohana zu beten, denn nur er könne ihm helfen. Der Kaufmann mit Namen Ramdasa Kapoor befolgte den Rat. Plötzlich zog ein Sturm auf und es fing an, stark zu regnen. Der Fluß schwoll an und befreite so auf wunderbare Weise die Boote von der Sandbank. Der Kaufmann versprach, zurückzukommen und den Erlös der Ware Sanatana zu geben als Dank für die Hilfe von Madana-mohana. Sanatana bat ihn, einen schönen Tempel für die Bildgestalt zu bauen, was er auch tat. 1580 wurde der Tempel eröffnet.
Ungefähr hundert Jahre später sandte der Mogulkaiser Aurangzep seine Soldaten nach Vrindavan, um die Tempel und die Stadt zu zerstören. Die Bildgestalt wurde 1670 nach Jaipur gebracht, bevor auch dieser Tempel geschändet wurde. Heute befindet sich dieser Deity in Karoli, südöstlich von Jaipur, in Rajasthan. In Vrindavan wurde ein neuer Tempel neben dem alten errichtet, wo eine Nachbildung des ursprünglichen Deities heute verehrt wird.

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„Wenn Du mir mit Liebe eine Blume, ein Blatt oder etwas Wasser opferst, so werde ich es annehmen.” Sri Krishna in der Bhagavad-gita

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